Medicin - foto by Anna Shvets - Pexels
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Der Gesundheitssektor hinkt dem breiten Aktienmarkt hinterher, aber Branchenanalysten halten den Pessimismus der Anleger für übertrieben. Innovationen, ein zunehmendes Gewinnwachstum und abnehmende politische Risiken könnten der Branche in den kommenden Jahren neuen Schwung verleihen.

In den vergangenen fünf Jahren erzielte der Weltindex (in US-Dollar) eine durchschnittliche jährliche Rendite von 10,5 Prozent. Der MSCI World Health Care Index verharrte bei 5 Prozent. Diese Underperformance erklärt sich zum Teil dadurch, dass der Weltindex stark von einer kleinen Anzahl großer Technologieunternehmen getragen wurde. Ohne die Magnificent Seven wäre der Unterschied deutlich geringer gewesen.

Darüber hinaus spielte die Politik eine wichtige Rolle. Die Wahl von Präsident Trump habe die Stimmung in der Branche gedrückt, sagt Noushin Irani, Expertin für das Gesundheitswesen bei der DWS. Viele Unternehmen im Bereich Gesundheit und Medizin sind in den USA tätig und reagieren daher sensibel auf Diskussionen über Arzneimittelpreise.

„Trump will, dass Pharmaunternehmen US-Patienten den niedrigsten Preis anbieten, der auch in bestimmten Referenzländern gezahlt wird. Auch das Auslaufen von Patenten hat bei einigen Unternehmen zu geringeren Wachstumserwartungen und sinkenden Bewertungen geführt“, so Irani.

Ihrer Meinung nach sind die politischen Risiken nun geringer geworden. Zur Umsetzung des sogenannten Most Favored Nations-Prinzips wurden zahlreiche Vereinbarungen zwischen Pharmaunternehmen und Trump geschlossen. „Das ist derzeit kein Diskussionsthema mehr. Möglicherweise wird das Thema im Vorfeld der Midterm Elections wieder aufkommen, aber dieses Risiko scheint im Moment gering zu sein.“

Gleichzeitig kehrt das Interesse an defensiven Branchen aufgrund der Unsicherheit in Bezug auf KI und Wirtschaftswachstum zurück. Dies kommt auch dem Gesundheitswesen zugute.

Innovation als Wachstumsmotor

Die Fundamentaldaten der Branche bleiben laut Irani stark. Sie verweist auf den kontinuierlichen Innovationsstrom, unter anderem in der Onkologie und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Neue Medikamente können das Wachstum der einzelnen Unternehmen beschleunigen. Auf Branchenebene erwarten wir in den kommenden Jahren eine Beschleunigung des Wachstums des Gewinns je Aktie.“

Die Bewertungen sind seitdem gestiegen. „Die Branche ist nicht mehr so billig wie Mitte letzten Jahres, als sie einen Abschlag von etwa 30 Prozent auf das historische KGV aufwies. Mit einem KGV von 16,8 notiert die Branche nun am oberen Ende des historischen Durchschnitts, aber immer noch unter dem Weltindex.“

In der Vergangenheit notierte die Branche im Gegenteil oft mit einem Aufschlag. „Auch das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz liegt mit etwa zwei immer noch unter den Werten, die in der Vergangenheit eher bei drei lagen. Das deutet immer noch auf Aufwärtspotenzial hin.“

Für langfristig orientierte Anleger bleibt es ihrer Meinung nach daher eine interessante Einstiegsmöglichkeit, trotz der noch ungewissen Auswirkungen der künstlichen Intelligenz. „KI kann mit der Zeit die Kosten senken, aber der größte Wert liegt wahrscheinlich in einer schnelleren und besseren Arzneimittelentwicklung. Das ist aufgrund der Komplexität, der Sicherheitsanforderungen und der strengen Vorschriften ein langwieriger Prozess.“

Es sind genau diese hohen Eintrittsbarrieren, die die Branche auf kurze Sicht relativ gut vor Störungen durch KI schützen. „Es ist unwahrscheinlich, dass die KI das Geschäftsmodell der Branche grundlegend in Frage stellen wird. Das macht das Gesundheitswesen im Moment zu einem relativ sicheren Hafen.“

Produktivitätssteigerung durch KI

Dan Lyons, Portfoliomanager in den Health Care- und Biotech-Teams bei Janus Henderson, erwartet ebenfalls bessere Aussichten. Sein Team konzentriert sich nachdrücklich auf Unternehmen mit starken Innovationspipelines. „Wir konzentrieren uns auf Innovationen in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Pharmazeutika, wo Unternehmen über vielversprechende neue Produkte verfügen.“

Als Beispiel nennt er Revolution Medicines, das an einer neuen Behandlung für Bauchspeicheldrüsenkrebs arbeitet, die auf RAS-Proteine abzielt, die eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Krankheit spielen. „Die ersten Forschungsergebnisse sind vielversprechend und wir sehen hier ein erhebliches Potenzial“, sagt Lyons.

Auch in anderen Teilbereichen stellt er Innovationen fest, die das Wachstum unterstützen können. Seiner Meinung nach unterschätzen die Investoren dieses Potenzial immer noch. „Die Healthcare-Unternehmen in den USA notieren immer noch unter ihren historischen Bewertungen. Angesichts der sich verbessernden Ertragsaussichten sehen wir hier einen attraktiven Einstiegspunkt. Weitere Klarheit über die Preispolitik in den USA könnte ebenfalls zur Erholung beitragen.“

Auch über künstliche Intelligenz macht sich Lyons keine Sorgen. Er erwartet sogar Produktivitätssteigerungen. KI hilft Biotech-Unternehmen etwa, vielversprechende Medikamente in einem frühen Stadium schneller zu identifizieren. „KI kann die Produktivität von Forschung und Entwicklung erheblich steigern.“

Auch Medizintechnikunternehmen profitieren davon. Intuitive Surgical zum Beispiel setzt KI bei der Schulung von Chirurgen ein, um die Effizienz von Operationen zu steigern. „KI wird die Margen in der Branche nicht plötzlich dramatisch erhöhen, aber wir erwarten eine allmähliche Verbesserung von Effizienz und Rentabilität.“

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