„In den Vereinigten Staaten stieg das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal im Vergleich zu den letzten drei Monaten des Vorjahres annualisiert um zwei Prozent“, sagt Guy Wagner, Chief Investment Officer (CIO) von BLI - Banque de Luxembourg Investments. “Die Konjunktur profitiert weiterhin von der Widerstandsfähigkeit des Binnenkonsums, gestützt durch den wachsenden Anteil der Ausgaben der wohlhabendsten Haushalte – die weniger empfindlich auf steigende Kraftstoffpreise reagieren – sowie durch den raschen Aufschwung der Künstlichen Intelligenz und die damit einhergehenden Infrastrukturinvestitionen.“ In der Eurozone erscheint die Lage fragiler: Das Wachstum belief sich im ersten Quartal auf lediglich 0,1 Prozent, „obwohl sich die Auswirkungen des Energieschocks noch nicht voll entfaltet haben“. In China tragen Exporte und Industrieproduktion weiterhin das Wachstum, während der private Konsum nicht anzieht. In Japan stellt die Energieabhängigkeit ein großes Risiko für die Wirtschaft dar, da diese weitgehend von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig ist.
Anstieg der Energiepreise zeigt erste Auswirkungen auf Inflationsindikatoren
Die Sperrung der Straße von Hormus und der Anstieg der Energiepreise zeigen erste Auswirkungen auf die Inflationsindikatoren. In den Vereinigten Staaten stieg die Inflation von 2,4 Prozent im Februar auf 3,3 Prozent im März, während sich die Kerninflation – ohne Energie und Lebensmittel – leicht von 2,5 Prozent auf 2,6 Prozent erhöhte. In der Eurozone beschleunigte sich die Inflation unter dem Einfluss der Energiepreise von 2,5 Prozent im März auf 3,0 Prozent im April, während die Kerninflation vorerst kaum beeinflusst wurde und von 2,3 Prozent auf 2,2 Prozent sank.
Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Ausrichtung der Fed-Geldpolitik
Wie erwartet hat die US-Notenbank bei ihrer Sitzung im April, die zum letzten Mal unter der Leitung des derzeitigen Vorsitzenden Jerome Powell stattfand, ihre Leitzinsen unverändert belassen. Der jüngste Anstieg der Preisindikatoren, ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten, spricht für einen geldpolitischen Status quo, „während die Aussicht auf einen Führungswechsel an der Spitze der Institution hin zu Kevin Warsh, der eher zu einer Senkung der Leitzinsen neigt, für zusätzliche Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Ausrichtung der Geldpolitik sorgt“, so die Einschätzung des luxemburgischen Ökonomen. In der Eurozone hat die Zentralbank ihre Zinsen ebenfalls unverändert gelassen, dabei jedoch einen restriktiveren Ton für die Zukunft angeschlagen und angedeutet, dass eine längere Phase der Stabilität einer Straffung weichen könnte, sollte der Energieschock weiterhin die Inflationsstatistiken beeinflussen.
Stabilisierung an den Anleihemärkten
Nach dem allgemeinen Rückgang der Renditen an den Anleihemärkten infolge der Spannungen im Iran im März haben sich diese im April insgesamt stabilisiert. Der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen stieg in den USA und Deutschland jeweils leicht. In Frankreich und Italien ging er hingegen leicht zurück, während er in Spanien stabil blieb.
Waffenstillstand zwischen USA und Iran löst spektakulären Aufschwung an Aktienmärkten aus
Guy Wagner: „Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran löste einen spektakulären Aufschwung an den Aktienmärkten aus, dessen Ausmaß mit den stärksten Erholungen während der Pandemie vergleichbar war.“ Diese Entwicklung setzte ein, obwohl sich die Ölpreise nicht entspannten und die Straße von Hormus weiterhin gesperrt blieb. Im Monatsverlauf legte der MSCI All Country World Index Net Total Return um 8,2 Prozent in Euro zu. Die Kursanstiege waren besonders ausgeprägt im Halbleitersektor und trieben den Nasdaq um 15,3 Prozent auf ein neues Allzeithoch. Auf regionaler Ebene verzeichnete der S&P 500 ebenfalls ein Allzeithoch. Auch der Stoxx Europe 600 (in EUR), der weniger stark in Technologiewerte investiert ist, der japanische Topix (in JPY) und der MSCI Emerging Markets (in USD) stiegen alle jeweils deutlich an. „Auf Sektorenebene legten Technologie, Kommunikationsdienstleistungen und Industrie am stärksten zu, während Basiskonsumgüter, Gesundheit und Energie deutlich bescheidenere oder sogar negative Wertentwicklungen verzeichneten.“