Fabiana Fedeli, M&G
Fabiana Fedeli, M&G

Ein wachsender Teil der Finanzwelt fragt sich, ob es eine KI-Blase gibt. Fabiana Fedeli ist anderer Ansicht. Die Investmentchefin für Aktien, Multi-Asset und Nachhaltigkeit von M&G Investments erklärt, warum sie glaubt, dass KI nicht die Grundlage für ein fundamentales Marktgleichgewicht ist, sondern als Beschleuniger von Preisanpassungen in einem extrem schnelllebigen Umfeld wirkt.

Laut einer Reuters-Umfrage vom November 2025 halten mehr als die Hälfte der Vermögensverwalter Investitionen in künstliche Intelligenz für eine Blase. Fast 45 Prozent nennen KI als wichtigstes Tail Risk für die globalen Märkte im Jahr 2026. Auch Jeremy Grantham, Mitbegründer von GMO, warnte Anfang des Jahres vor einer übermäßigen Marktkonzentration rund um eine begrenzte Anzahl großer Technologieunternehmen.

Weniger Volatilität, höhere Marktgeschwindigkeit

Fabiana Fedeli bestreitet weder die hohen Bewertungen noch die möglichen Übertreibungen in bestimmten Segmenten. Sie argumentiert jedoch, dass die Diagnose oft falsch gestellt wird. In einem Interview mit Investment Officer zeigt sie Daten, die auf eine deutliche Beschleunigung der Marktdynamik hindeuten – und nicht auf einen strukturellen Anstieg der Volatilität. Mit anderen Worten: Es handelt sich nicht um einen Markt, der strukturell unruhiger geworden ist, sondern um einen Markt, der schneller reagiert.

Eine Zahl veranschaulicht diesen Trend ganz besonders: Im April 2025 bewegte sich der Markt für Terminkontrakte im S&P500-Index innerhalb eines Handelstages so stark nach oben und unten, dass sich der Gesamtwert dieser Kursschwankungen auf fast 2500 Milliarden Dollar belief. Dies geschah, ohne dass sich die wirtschaftlichen Aussichten oder die Gewinnerwartungen geändert hätten. Solche Episoden zeigen, dass die Märkte heute zu sehr große Bewegungen in extrem kurzen Zeiträumen fähig sind. „Bewegungen, die früher als starkes Signal gewertet wurden, sind heute vielleicht nicht mehr als ein Hintergrundrauschen“, meint Fedeli. Damit unterstreicht sie, wie die Geschwindigkeit der Preisanpassungen die kurzfristige Fundamentalanalyse erschwert.

Diese Dynamik ist nicht auf die US-Märkte beschränkt. Seit 1975 hat der japanische Markt zum Beispiel nur fünf Episoden mit sehr hoher kurzfristiger Volatilität erlebt. Zwei davon ereigneten sich zwischen Sommer 2024 und Frühjahr 2025, und zwar auf einem Niveau, das mit dem des Börsencrashs von 1987 oder der globalen Finanzkrise vergleichbar ist. Die Konzentration solch extremer Episoden in einem so kurzen Zeitraum deutet auf einen Strategiewechsel im Marktverhalten hin: Die Märkte sind schneller und sensibler für dominante Narrative geworden.

Weitverbreitete KI, sehr unterschiedliche Ergebnisse

Genau in diesem Rahmen sollte nach Fedelis Meinung die Rolle der künstlichen Intelligenz gesehen werden, da die KI nun die Realwirtschaft weitgehend durchdrungen hat. Für die Investmentchefin von M&G Investments ist die Frage für Investoren daher nicht mehr, ob sie in Technologie investieren, sondern welche Unternehmen es schaffen, KI in greifbare wirtschaftliche Ergebnisse zu verwandeln. Dieser Unterschied spiegelt sich in den Aktienmarktrenditen wider: Die mediane Rendite lag im Jahr 2025 bei rund 13 Prozent, während Nvidia um 38 Prozent zulegte und Google noch besser abschnitt.

Selbst innerhalb der größten US-amerikanischen Technologieunternehmen unterscheidet der Markt jetzt stark zwischen den Unternehmen, je nachdem, wie glaubwürdig ihre Gewinnentwicklung erscheint. Dies führt zu großen Unterschieden in der Kursentwicklung und beschleunigt die Preisanpassung. Gewinndaten oder auch nur minimale Signale über den Einsatz von KI können daher schnell zu Arbitrage führen, die manchmal in keinem Verhältnis zu dem steht, was sich fundamental tatsächlich geändert hat.

Die Gewinner sind nicht immer naheliegend

Die Gewinner eines technologischen Durchbruchs seien nicht immer die Vertreter des zum jeweiligen Zeitpunkt vorherrschenden Narrativs, betont die Investmentchefin von M&G. Sie verweist auf Walmart, das das Internet während der Internetblase erfolgreich genutzt hat, um seine Logistik, Bestandsverwaltung und betriebliche Effizienz drastisch zu verbessern. Dennoch wurde das Unternehmen zu jener Zeit nicht als explizites Technologieunternehmen angesehen.

Künstliche Intelligenz könnte zu ähnlichen Entwicklungen führen. Unternehmen, die im aktuellen Technologie-Narrativ kaum sichtbar sind, können durch KI immer noch erhebliche Produktivitätsgewinne erzielen. Gewinne, die bei ihrer Bewertung an der Börse nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

In einem Markt, der zu solch schnellen Bewegungen fähig ist, plädiert Fedeli für strikte Anlagedisziplin. Bei sehr kurzfristigen Korrekturen, wie am ‚Liberation Day‘, gehe es nicht darum, eine Investmentstrategie zu revidieren, sondern darum, ob sich tatsächlich etwas Grundlegendes geändert habe, sagt sie.

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