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Der europäische ETF-Markt wuchs im Januar um einen Rekordwert von 46,9 Milliarden Euro. Im Schatten dieses Wachstums findet ein Preiskampf statt: Mainstream-ETFs werden jetzt mit einer Kostenquote von 0,03 Prozent angeboten. Wird Europa bald den ‚kostenlosen‘ ETF willkommen heißen wie die USA?

„Kostenlose Produkte gibt es nicht.“ Arnaud Llinas, Operating Partner bei Blackfin Capital Partners und Beiratsmitglied des Datenanbieters ETFbook, zerstört den Traum jedes Schnäppchenjägers. „Ein Fonds mit einer Gesamtkostenquote von 0 Prozent ist für mich ein fauler Trick.“

Der ‚Trick‘ besteht dann darin, dass der Anbieter auf andere Weise Einnahmen erzielt. Zum Beispiel bei der Wertpapierleihe. Oder man nutzt den Nulltarif als Marketinginstrument, um mit großen Akteuren ‚an den Tisch‘ zu kommen.

In den USA gibt es den ‚kostenlosen‘ ETF schon seit einer Weile. Auf der Datenseite etfdb.com ist ‚billigste ETFs‘ der beliebteste Suchbegriff und in dieser Woche umfassen die Treffer 34 ETFs mit einer TER von 0 Prozent. Dazu gehören einige Kryptoprodukte, aber auch einige ETFs der alten Schule von anerkannten Anbietern wie Fidelity, T. Rowe Price und BNY Mellon. Letzterer bietet mit dem BNY Mellon US Large Cap Core Equity ETF den größten (5 Milliarden Dollar) ‚kostenlosen‘ ETF an.

Anlegerschutz

Eine ähnliche Suche nach europäischen ETFs ergibt (auf justetf.com) nur etwa 15 Gold- und Krypto-Produkte. Llinas ist skeptisch: „Das sind in der Regel keine Ucits-ETFs, sondern ETCs oder ETNs. Diese bieten nicht das gleiche Maß an Anlegerschutz oder Aufsicht wie Standardfonds, die die Ucits-Anforderungen erfüllen.“

Die Unterschiede zwischen dem regulatorischen Rahmen in den USA und in Europa seien auch einer der Gründe, warum Europa höchstwahrscheinlich niemals einen sogenannten kostenlosen ETF begrüßen werde, glaubt Llinas. „Der Preiskrieg tobt immer noch, aber mit dem Zinssatz von 0,03 Prozent scheint der europäische Markt an eine Grenze zu stoßen“, sagt er. Für diesen Prozentsatz können sich Anleger für S&P500- und MSCI USA-Tracker jedenfalls an Unternehmen wie State Street, UBS, Amundi und Blackrock wenden.

Der Verzicht auf die letzten drei Basispunkte der Gebühren könne in Europa höchstens ein Marketing-Gag sein, meint auch Philippe Roset, ETF-Experte und seit 2008 in dieser Branche tätig. „Die Compliance-Kosten sind bei Ucits-Fonds höher als in den USA, zum Beispiel aufgrund der Erstellung des Prospekts“, erklärt er. „Außerdem ist der europäische Markt fragmentiert. Man muss sich mit mehreren Währungen, mehreren Anteilsklassen und mehreren Börsenplätzen auseinandersetzen, wobei zum Beispiel jedes Mal Gebühren für Market Maker anfallen. In den USA mit ihrem zentralisierten Markt ist es viel einfacher, ein großes Volumen zu erreichen. ETFs mit Hunderten von Milliarden Dollar sind da keine Ausnahme.“

Dollar-Absicherung

Der europäische Markt ist kleiner, er macht etwa ein Viertel des US-Marktes aus, auch wenn das Wachstum erheblich ist. Amundi gab diese Woche bekannt, dass der Januar ein Rekordmonat für Ucits-ETFs war, mit Zuflüssen von 46,9 Milliarden Euro an neuen Geldern. Llinas: „Europäische Anleger können jetzt aus mehr als 3000 ETFs wählen, darunter zum Beispiel 15 verschiedene für den MSCI World und 20 für den S&P500.“ 

Ucits-Aktien-ETFs, Netto-Neugeldzufluss Januar 2026 (Mrd. €)

Aber die Fragmentierung ist mit höheren Kosten verbunden als in den USA. Roset: „Eine Dollar-Absicherung – für einen europäischen ETF, der den US-Markt abbildet – erhöht ebenfalls die Kosten.“ Anbieter können mit der Wertpapierleihe immer noch Geld verdienen, meint Roset, „aber normalerweise muss ein Teil dieser Erlöse auch an den Anleger zurückfließen.“ Auf jeden Fall kann er sich nicht vorstellen, wie ein Anbieter in Europa 0 Prozent Gebühren anbieten könnte: „Etwas anderes als ein ‚Lockvogel‘ oder ein vorübergehendes Angebot kann das nicht sein.“

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