Der Vermögensverwalter L&G wird neben seinem umfangreichen passiven Geschäft auch hybride ‚Crossover‘-Fonds auflegen. Diese umfassen Investitionen sowohl in private als auch in öffentliche Unternehmen. Zu diesem Zweck arbeitet der britische Vermögensverwalter mit Experten wie Blackstone zusammen.
L&G Asset Management stützt sich derzeit zu mehr als der Hälfte auf seinen britischen Heimatmarkt. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wird dieser Anteil jedoch unter 50 Prozent sinken und das internationale Geschäft wird größer sein“, sagt CEO Eric Adler im Gespräch mit Investment Officer.
Beide Märkte werden wachsen, prognostiziert Adler. Das ist auch nötig, denn L&G ist zwar der größte Vermögensverwalter Großbritanniens mit einem verwalteten Vermögen von 1300 Milliarden Euro, aber das ist keine Garantie dafür, im globalen Konsolidierungskampf nicht unterzugehen.
„Unsere Strategie ist die Vergrößerung“, so Adler. „Das ist auch das, was die anderen großen Häuser tun. Am anderen Ende des Spektrums finden sich die Boutiquen, die durch ihre Spezialisierung überleben. Aber wir brauchen Größe, um unsere Position zu stärken und auszubauen.“
Akteure, die das Rennen um Größe verlieren, werden es schwer haben, glaubt der Amerikaner. „Man möchte nicht in der Mitte landen, wo man nicht die typischen Qualitäten einer Boutique hat, aber gleichzeitig teurer ist als die großen Konkurrenten. In der Mitte ist man verwundbar.“
Nach Ansicht von L&G wird der Markt irgendwann Platz für „einige europäische Champions“ in der Vermögensverwaltung haben: „Wir können einer von ihnen sein.“
L&G will dieses notwendige Wachstum vor allem durch die Schaffung einer breiteren Produktpalette erreichen. Ursprünglich verstand man sich als weitgehend passiver Investor, der aktuell mehr als 500 Milliarden Euro in Index- und ETF-Produkte investiert hat, aber seit einiger Zeit wird das Angebot um aktivere Anlageformen erweitert.
Hohe Cost-Income-Ratio
Ein Grund dafür ist auch die Cost-Income-Ratio des Vermögensverwalters. Analysten zufolge ist diese hoch, sie liegt bei 75 Prozent. Adler betrachtet die Senkung dieses Verhältnisses als eine seiner Herausforderungen. Seine Lösung besteht jedoch nicht unbedingt darin, die Kosten zu reduzieren (sprich: Kürzungen und Umstrukturierungen), sondern die Einnahmen zu erhöhen. „Wir sind derzeit sehr zufrieden mit den Kapazitäten, über die wir verfügen, und wir werden sie nicht beschneiden. Aber wir können uns noch weiter verbessern, wenn es darum geht, wie wir diese Kapazitäten nutzen.“
Dazu gehören unter anderem neue Anwendungen für das, was die ‚ETF-Fabrik‘ von L&G produziert. Sie wurde mit der Entwicklung rein passiver Produkte groß, wird aber nun auch Bausteine für Crossover-Fonds bzw. Hybridfonds anbieten. Diese umfassen Investitionen sowohl in private als auch in öffentliche Unternehmen. „Wir wollen die potenziell höheren Renditen von Privatmarktanlagen dem Wealth-Segment in größerem Umfang zur Verfügung stellen“, sagt Adler. „Aber dabei kann die Illiquidität dieser Anlagen ein Nachteil sein. Bei Hybridfonds wird dieser Nachteil dadurch ausgeglichen, dass sie auch einen großen Anteil an börsennotierten Anlagen enthalten.“
Morningstar bezeichnet diesen Trend als Konvergenz zwischen öffentlichen und privaten Märkten: Die öffentlichen und privaten Märkte verflechten sich zunehmend. Adler sagt: „Für institutionelle Anleger gibt es nichts Neues unter der Sonne: Viele haben seit Jahrzehnten Teile ihres Vermögens in Private Equity oder Kredite investiert. Aber für Privatanleger ist die Integration privater Anlagen in ihre Portfolios eine heikle Angelegenheit.“
Zusammenlegung von Kreditplattformen
Die Lösung von L&G für dieses Problem sei Teamarbeit, fügt Adler hinzu. Der britische Vermögensverwalter (Tochtergesellschaft des Versicherers L&G) tätigt seit zwei Jahren gezielte Akquisitionen, um sich ergänzendes Fachwissen anzueignen, und ging im letzten Sommer eine Partnerschaft mit dem US-Alternative-Riesen Blackstone ein. Die Kreditplattformen der beiden Vermögensverwalter werden zusammengelegt.
„Wir können vieles selbst machen, aber es gibt Dinge, für die man sich einen Partner suchen muss. Besonders wenn man ein erstklassiges Produkt erstellen möchten. Ich wage zu behaupten, dass wir zusammen mit Blackstone in der Lage sein werden, dies zu tun. Das wird übrigens eine hybride öffentlich-private Kreditstrategie sein.“
Dazu werden auch die Kapazitäten von L&G beitragen. Der springende Punkt ist dann, für diese Art von Produkten eine höhere Gebühr zu verlangen – was zu einer niedrigeren Cost-Income-Ratio führt.
Das bedeutet übrigens nicht, dass L&G ‚Standard-ETFs‘ außer Acht lassen wird. „Im Gegenteil. Darin sind wir groß, aber ich möchte, dass wir noch größer werden. Man wird immer mehr ETF-Angebote von uns sehen: Besonders in Europa werden wir unsere Bemühungen in diesem Bereich verdoppeln.“