Der britische Vermögensverwalter Schroders wird für 9,9 Mrd. Pfund (11,4 Mrd. Euro) vom US-Unternehmen Nuveen übernommen. Damit wird ein weiteres historisches europäisches Finanzhaus unter die Fittiche der USA genommen und die Dominanz der USA in der globalen Vermögensverwaltungsbranche weiter ausgebaut.
Schroders wurde 1804 von Johann Heinrich Schröder in London als Handelsbank gegründet und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Vermögensverwalter Europas. Die Familie blieb die ganze Zeit über am Ruder. Nach 222 Jahren findet dies nun ein Ende.
Die US-Seite hat eine ebenso lange Geschichte. John Nuveen begann 1898 in Chicago als Spezialist für Kommunalanleihen. Die Muttergesellschaft TIAA wurde 1918 mit Unterstützung des Stahlmagnaten Andrew Carnegie zur Sicherung der Renten für Lehrer in den USA gegründet. Im Jahr 2014 übernahm TIAA Nuveen für 6,25 Milliarden Dollar und machte es zu seinem globalen Vermögensverwalter.
Durch die Übernahme entsteht nun ein Marktteilnehmer, der rund 2500 Milliarden Dollar verwaltet. Damit rückt die Gruppe in die globalen Top Ten vor. Nuveen gehörte bisher bereits zu den 20 größten Vermögensverwaltern der Welt, Schroders gehörte zu den Top 25.
Der neue Zusammenschluss überholt das Vermögensverwaltungsgeschäft der Allianz und nähert sich der Größe der UBS an. Auch Invesco, Legal & General, Franklin Templeton und DWS lässt er hinter sich. In einer Branche, in der Größe, globaler Vertrieb und Investitionen in Technologie entscheidend sind, ist ein breites Betätigungsfeld wichtig.
Transatlantische Beziehungen
Schroders ist nicht der erste europäische Vermögensverwalter, der in US-Besitz übergeht.
2017 übernahm das in Denver ansässige Unternehmen Janus Capital die börsennotierte britischen Gesellschaft Henderson. Bereits zuvor wurde Barings Asset Management, dessen britische Wurzeln bis ins Jahr 1762 zurückreichen, von MassMutual übernommen. Im Jahr 2022 übernahm Goldman Sachs NN Investment Partners und brachte damit einen großen niederländischen Vermögensverwalter an die Wall Street. Auch Aegon Asset Management hat seinen Schwerpunkt allmählich von den Niederlanden in die Vereinigten Staaten verlagert, wo es immer häufiger unter dem Label Transamerica auftritt.
Jede Transaktion hatte ihre eigene strategische Logik. Zusammengenommen zeigen sie jedoch einen breiteren Trend: Europäische Vermögensverwalter fügen sich in US-Bilanzen, Vertriebsnetze und Rentensysteme ein.
Kein Ausverkauf
Richard Oldfield, Topmanager von Schroders, bezeichnet den Schritt als logisch. „Das sind zwei Puzzleteile, die nicht nur in Bezug auf das Geschäftsmodell, sondern auch in Bezug auf die Kultur und die Werte zusammenpassen“, sagt er.
Oldfield betont, dass Schroders nicht aktiv auf Käufersuche gewesen sei. „Dieses Unternehmen stand nie zum Verkauf“, so der Topmanager bei einem Treffen mit Analysten. In den Gesprächen mit Nuveen sei jedoch klar geworden, dass der Zusammenschluss die Strategie von Schroders erheblich beschleunigen könne.
Strategic rationale
Richard Oldfield, chief executive officer of Schroders, framed the combination as strategically coherent. “These really are two jigsaw pieces that fit together not just in terms of industrial logic but also in terms of culture and values,” he said.
William Huffman, chief executive officer of Nuveen, said the deal would expand the group’s global reach. “This transaction is about unlocking new growth opportunities for wealth and institutional investors around the world by giving our leading, differentiated public-to-private platform a broader global presence,” he said in a statement.
„Wir haben gesehen, dass dies ein sehr fähiges Unternehmen ist, das unsere Ambitionen um etwa ein Jahrzehnt beschleunigen kann“, so Oldfield. Seinen Worten nach hätte es Jahre gedauert, dieselbe Position eigenständig in den USA und auf privaten Märkten aufzubauen.
Fachleute sind der Meinung, dass auch andere große Akteure Interesse gezeigt haben könnten, etwa Franklin Templeton, Invesco und möglicherweise das britische Legal & General.
Johanna Kyrklund, CIO der Schroders-Gruppe, spricht von einem natürlichen Match. Geografische Diversifizierung und Spezialisierung auf Anlagemärkte ergänzen sich ihrer Meinung nach gegenseitig.
RBC-Analyst Ben Bathurst zufolge sei die Ankündigung „…wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ gekommen. Im Vorfeld habe es auf dem Markt kaum Spekulationen über eine Übernahme gegeben.
Margen unter Druck
Schroders hatte in den letzten Jahren mit sinkenden Margen und harter Konkurrenz durch billigere US-Anbieter zu kämpfen. Im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen ein 150 Millionen Pfund schweres Kostensenkungsprogramm an und zog sich aus einigen internationalen Geschäften zurück, darunter eine Partnerschaft mit der Citibank.
Die Vorsitzende Elizabeth Corley betont, dass London eine zentrale Rolle in der neuen Gruppe behalten werde. Die Stadt ist mit rund 3100 Beschäftigten nach wie vor der wichtigste Standort für Schroders. Der Name Schroders wird innerhalb der Gruppe als ‚Schroders, a TIAA company‘ bestehen bleiben. Nuveen hat derzeit etwa 3000 Beschäftigte.